Employer Branding ohne Consumer Brand

Welche Erwartungen haben Studenten und Absolventen an einen Arbeitgeber und wie kann ein Unternehmen die Aufmerksamkeit von Berufseinsteigern erlangen?

Eine übliche Kernfrage für alle, die sich mit Employer Branding beschäftigen. Insbesondere B2B-Unternehmen stehen vor der Herausforderung, dass die hergestellten Produkte kaum Bekanntheit unter Interessenten und Konsumenten haben. Dieser Umstand, als auch die bekannte Tatsache, dass aufgrund des demographischen Wandels die Anzahl der zur Verfügung stehenden Fach- und Führungskräfte sinkt, erschwert die Rekrutierung und Bindung des geeigneten Nachwuchses.

Um Berufseinsteiger an ein Unternehmen zu binden, ist es wichtig zu wissen, welche Erwartungen diese sowohl an das Unternehmen als auch an die Arbeitsbedingungen haben. Laut einiger Studien sind aktuell neben den Karrierechancen und Entwicklungsmöglichkeiten die Arbeitsplatzsicherheit, flexible Arbeitszeiten als auch das eigenverantwortliche Arbeiten für Berufseinsteiger von besonderem Interesse.

Aber selbst wenn wir eine ziemlich genaue Vorstellung davon haben, was künftige Mitarbeiter von uns erwarten und wir zusätzlich auch noch in der Lage sind, viele dieser Erwartungen zu erfüllen: Wie bekomme ich diese Botschaft am glaubwürdigsten transportiert?

Bei der SMS group, einem weltweit führenden Anlagenbauer, aber mit geringer allgemeiner Bekanntheit, haben wir uns zum Beispiel entschieden, konsequent auf eigenen Mitarbeiter als Markenbotschafter zu setzen. In der Vergangenheit haben wir vor allem Recruiting-Veranstaltungen genutzt, um den Kontakt zu potentiellen Mitarbeitern aus dem Kreis der Studenten und Absolventen aufzubauen. Heute werden zusätzlich Internetportale und Social Networks genutzt.

Hierzu wurden einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgewählt, die selbst erst vor einiger Zeit als Absolventen bei uns eingestiegen sind und nun als Gesichter für das Unternehmen fungieren, sogenannte Karrierebotschafter. Diese Mitarbeiter decken relevante Aufgabenbereiche des Unternehmens ab. Durch Fotos, Interviews und Berichte über Aufgabenfelder und Tätigkeiten werden diese Personen genauer vorgestellt und die Möglichkeit geboten, sich mit ihnen über Social Networks wie beispielsweise Xing in Verbindung zu setzen.

Jeweils zwei dieser „echten“ Gesichter begleiten seit diesem Jahr die Personalkollegen bei Recruiting-Veranstaltungen und stellen sich als Ansprechpartner zur Verfügung. Diese Kombination, aus realem Auftreten und anschließender Kommunikation über Social Media stößt bislang vielfach auf positive Resonanz. Den potentiellen Bewerbern gefällt es, echte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ihren Aufgaben und Arbeitsbedingungen befragen zu können. Viele Interessenten nutzen diesen Kommunikationsweg, um ganz individuelle Fragestellungen für sich zu klären, die sich oft erst nach einem Erstkontakt ergeben haben – das reicht von Auslandsaufenthalten über Kinderbetreuung bis hin zu spezifischen Fachfragen.

Die bisherige Resonanz stimmt mich positiv, hier einen geeigneten und pragmatischen Kommunikationsweg allmählich zu etablieren. Mich würde es freuen, weitere Erfolgsrezepte, abseits breiter und teurer Imagekampagnen, im Rahmen der Fachgruppe Employer Branding und Recruiting mit Ihnen zu teilen.

www.sms-karriere.com

Stefan Brindt

Stefan Brindt ist Leiter der Fachgruppe Employer Branding und Recruiting und Leiter Personalentwicklung der SMS Siemag AG.