Kind und Karriere schaukeln - die Rushhour des Lebens entschleunigen

Rückblick zum BPM Forum am 13. März in Berlin

In der Lebensphase zwischen 25 und 40 ballen sich die Ereignisse. Junge Menschen sind herausgefordert, Karriere, Partnerschaft und Familiengründung miteinander zu jonglieren. Während des BPM Forums am 13. März in Berlin diskutierte Dr. Elke Eller (BPM-Präsidentin) gemeinsam mit Petra Mackroth (Leiterin der Abteilung Familie im Bundesfamilienministerium), Volker Baisch (Gründer des Väternetzwerkes) und Jana Tepe (Gründerin der Jobsharing-Plattform Tandemploy), wie die sogenannte Rushhour des Lebens entschleunigt werden kann.

Zu Beginn stellte Dr. Janine Bernhardt vom Deutschen Jugendinstitut aktuelle Forschungsergebnisse zu den betrieblichen Rahmenbedingungen für eine partnerschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor. Aus der Praxis ist bekannt, dass viele Frauen ihre Arbeitszeit gerne erhöhen würden, während Männer oft gerne weniger arbeiten möchten. Mütter schrecken häufig vor diesem Schritt zurück, um nicht an zeitlicher Flexibilität einzubüßen oder weil sie auf die Arbeitszeiten ihres Partners Rücksicht nehmen. Väter entscheiden sich vor allem aus finanziellen Gründen dagegen, weniger zu arbeiten, oder weil sie keine passende Stelle in Aussicht haben. Die Wissenschaftlerin machte deutlich, dass die partnerschaftliche Vereinbarkeit von einem Zusammenspiel betriebsstruktureller und -kultureller Faktoren abhängt. Es genüge beispielsweise nicht, flexible Arbeitsmodelle anzubieten, ohne dass diese Flexibilität Teil der Unternehmenskultur sei.

Jana Tepe warb dafür, sich flexible Jobmodelle nicht nur auf die Fahnen zu schreiben, sondern wirklich zu leben. Warum stelle beispielsweise niemand infrage, dass alle Aufgaben innerhalb von 40 Wochenstunden zu erledigen seien? "Wir müssen die Organisationen zum Atmen bringen", wandte sie ein. Petra Mackroth konnte dem nur zustimmen: "Wer heute nicht über Flexibilität nachdenkt, hat verloren." Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass erst die gesetzliche Flankierung der Vereinbarkeit, wie durch dem Rechtsanspruch auf Elternzeit und die Einführung der Vätermonate, den Wandel begünstigen. Auf die Frage hin, wie in der Praxis der Wunsch der Beschäftigten nach vollzeitnaher Teilzeit aufgenommen wird, zeigte sich Elke Eller ganz entspannt. Eine aktuelle Untersuchung des BPM zeige, dass immer mehr Unternehmen auf die vollzeitnahe Teilzeit setzen. In einer Arbeitswelt mit einer immer größeren Vielfalt an Arbeitsmodellen brauche es daher auch keinen Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit.

Volker Baisch gab zu bedenken, dass Unternehmen die Väter viel stärker ins Visier nehmen müssen und auch aktiv in der Frage der Vereinbarkeit auf sie zugehen sollten. Aus seiner Erfahrung hake es oft nicht an den Personalabteilungen, die sich in der Praxis häufig für eine familienfreundliche Arbeitskultur starkmachen, sondern an den Führungskräften. "Es sind die M&Ms, die uns das Leben schwer machen", pflichtete Jana Tepe bei, und spielte damit auf unverbesserliche Manager und zeitraubende Meetings an.

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Fotogalerie

Präsentation von Dr. Janine Bernhardt

WZB-Studie "Betriebliche Rahmenbedingungen der Aufteilung von Erwerbs- und Fürsorgearbeit"