Vollzeitnahe Teilzeit als innovatives Arbeitszeitmodell

Dialogkreis Bundesfamilienministerium Erfolgsfaktor Familie
Rückblick zum Dialogkreis des Bundesfamilienministeriums

Das Bundesfamilienministerium veranstaltete am 15. Juli in Berlin mit ausgewählten Personalverantwortlichen einen Dialogkreis zum Thema „Vollzeitnahe Teilzeit als innovatives Arbeitszeitmodell – im Konzern und in KMU“. Dabei hatten auch fünf BPM-Mitglieder die Gelegenheit, ihre Praxisperspektive einzubringen.

Die Mehrheit der jungen Eltern wünscht sich eine partnerschaftliche Aufteilung von Beruf und Familie. Mit der Geburt des Kindes verändern sich jedoch häufig die Erwerbsmodelle. Während vorher 71 Prozent der Paare Vollzeit arbeiten, verwirklichen nach der Geburt und Elternzeit nur noch 15 Prozent der Eltern das Doppelverdienermodell (BMFSFJ 2015). Viele Frauen wechseln dann in eine kürzere Teilzeit oder arbeiten lediglich stundenweise. Dabei wünschen sich viele Mütter eine Aufstockung ihrer Arbeitszeit – und viele Väter mehr Zeit für ihre Kinder.

Inwieweit die vollzeitnahe Teilzeit mit einem Arbeitsvolumen von 30 bis 35 Stunden hier eine Win-win-Situation für alle Beteiligten schafft, war Thema eines Dialogkreises im Bundesfamilienministerium. Ausgewählte BPM-Mitglieder diskutierten dabei mit Vertretern des Ministeriums, welche Chancen die „große Teilzeit“ für eine familienfreundliche Arbeitswelt bietet. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Unternehmensprogramms „Erfolgsfaktor Familie“ statt.

Die teilnehmenden Personalmanager legten zunächst dar, wie sie mit individuellen Arbeitszeitwünschen der Beschäftigten umgehen und welche Herausforderungen sich dabei in der Arbeitsorganisation ergeben. So wiesen einige Teilnehmer darauf hin, dass es sich häufig nicht lohne, für wenige Wochenstunden einen neuen Mitarbeiter einzustellen – und dies der Arbeitsmarkt auch nicht hergäbe. Vielfach müsse das Team dann die verbleibenden Stunden auffangen. Damit Teilzeitwünsche nicht zu Konflikten führen, sei ein behutsames Vorgehen gefragt. Wenn allen Beschäftigten gleichermaßen flexible Arbeitsmodelle zugestanden werden, und nicht nur jungen Eltern, entzünde sich auch keine Neiddebatte. Zudem sei es wichtig, dass die Führungskräfte Familienfreundlichkeit vorleben.

Während der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass die vollzeitnahe Teilzeit nicht nur für Mitarbeiter in der Familienphase ein interessantes Karrieremodell darstellt. Auch Beschäftigte mit pflegebedürftigen Angehörigen können davon profitieren. Zudem ließe sich Führung in Teilzeit mit einem höheren Stundenvolumen besser verwirklichen. Die Chancen stehen also gut, dass die vollzeitnahe Teilzeit zur Überwindung der „Teilzeitfalle“ beiträgt und sich als Arbeitsmodell der Zukunft etabliert.

Weitere Informationen zum Unternehmensprogramm "Erfolgsfaktor Familie"