Der Bundesverband der Personalmanager*innen (BPM) sieht die aktuelle Teilzeitdebatte kritisch. Der Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ ist politisch geprägt und suggeriert Bequemlichkeit. Das blendet die Realität vieler Beschäftigter aus. Teilzeit entsteht häufig aus Betreuungs- und Pflegeverantwortung oder gesundheitlichen Belastungen und ist damit Ausdruck fehlender Infrastruktur, nicht mangelnder Leistungsbereitschaft. Das Statistische Bundesamt bestätigt: Frauen leisten 43% mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer – an vielen Stellen der Grund für reduzierte Wochenarbeitszeit.
Auch wir wissen aus unserer Arbeitspraxis, dass nicht alle Menschen gleichermaßen Leistungsträger sind und dass Low Performer Teil der betrieblichen Realität sind – Leistung entsteht immer zunächst beim Individuum. Wir nehmen aber dezidiert Abstand von Pauschalisierungen, die Teilzeit mit Leistungsverweigerung verbinden.
Den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit halten wir grundsätzlich für richtig. Eine Einschränkung wäre aus unserer Sicht kein wirksamer Hebel gegen Fach- und Arbeitskräftemangel, sondern würde Vertrauen und Bindung schwächen und könnte Menschen eher aus dem Arbeitsmarkt drängen. Zudem droht eine Bürokratiefalle: Wenn Teilzeit an „besondere Gründe“ gekoppelt würde, entstünden Prüf-, Nachweis- und Abgrenzungspflichten, die Personalabteilungen belasten und gerade KMU unverhältnismäßig treffen.
Die Debatte überschätzt außerdem den gesamtwirtschaftlichen Effekt. Sie richtet sich faktisch auf eine vergleichsweise kleine Gruppe (rund 5,8% aller Erwerbstätigen, vgl. Zahlen des IAB), an der ein „Leistungssprung“ festgemacht wird, ohne belastbare Evidenz. Gleichzeitig wird übersehen, dass Teilzeit auch betrieblich ein wichtiges Steuerungsinstrument ist. Sie ermöglicht passgenaue Aufgaben- und Kapazitätszuschnitte, verhindert Überlastung und hält qualifizierte Beschäftigte im System, besonders im Mittelstand und in projekt- oder saisonabhängigen Strukturen. Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel brauchen wir mehr, nicht weniger Flexibilität. Alters- und lebensphasengerechte Modelle wie reduzierte Stunden, projektbezogene Rollen oder gleitende Übergänge helfen, Arbeitsfähigkeit zu erhalten und Wissen zu sichern, auch in Engpassberufen.
Wir sind der Meinung, dass Leistung nicht durch das Addieren von Stunden, sondern durch gute Arbeitsorganisation, effiziente Prozesse, passende Tools und verlässliche Rahmenbedingungen entsteht. Statt Teilzeitrechte einzuschränken, braucht es praxistaugliche und unbürokratische Regeln, eine Modernisierung des Arbeitszeitrechts sowie Investitionen in Kinderbetreuung und Pflegeinfrastruktur. Vereinbarkeit und Flexibilität sind kein Gegenpol zum Leistungsprinzip, sie sind seine Voraussetzung.



